Historie der Bruderschaft
Seit 1567 – Glaube, Sitte und Heimat.
„Da ist Musik drin…" – Rückschauende Betrachtung zur Entwicklung der Bruderschaft, ihrer Aufgaben und ihrer Schützenfeste nach dem II. Weltkrieg von Ehrengeschäftsführer Josef Gorgs.
Die Aufgaben der Bruderschaft
Anlass für die Gründung der Schützenbruderschaften in den vergangenen Jahrhunderten war sicher in erster Linie nicht der Gedanke, Aufgaben zur Pflege der Geselligkeit für die damaligen Menschen zu übernehmen. Nein, in damaligen Notzeiten ging es konkret darum, für Leib und Leben der Bürger der Gemeinden und Städte zu sorgen und dazu Schutzaufgaben für sie zu übernehmen. Dies ist damals, so wissen wir, gelungen und der dadurch geleistete Bürgerschutz heute von allen anerkannt und gelobt.
Im Laufe der Jahrhunderte sind in diesem Sinne Aufgaben zur Pflege der Gemeinschaft, Brüderlichkeit und soziale Hilfsdienste im Sinne unseres christlichen Glaubens und dem Wahlspruch „für Glaube, Sitte und Heimat" dazugekommen. Im Rahmen dieser Aufgabenstellungen entwickelte sich auch unsere Bruderschaft und damit auch unsere heimatlichen Schützen- und Heimatfeste bis zur Bedeutung in unserer heutigen Zeit. Einsatz für das Wohlergehen der Mitmenschen, des Nächsten, ist bis heute Kernaufgabe für uns Schützen geblieben.
In der breiten Öffentlichkeit sind die Schützen mit ihren Bruderschaften bis in unsere Zeit anerkannt und geachtet. Groß und Klein, Arm und Reich findet sich in der Gemeinschaft der Bruderschaft zum religiösen und sozialen Miteinander, zur Freizeit- und Lebensgestaltung und zum Feiern zusammen. Aus diesen Gedanken heraus ist es verständlich, dass es für viele Schützen ein Traum ist, einmal Schützenkönig zu werden.
Neubeginn nach dem II. Weltkrieg
Leider ist die Tätigkeit und Entwicklung der Bruderschaft durch Kriege und andere Ereignisse bis zum Verbot zeitweise stark behindert worden. 1939 fand das letzte Schützenfest in Büderich vor dem 2. Weltkrieg statt, und erst 1949, nach dem Ende dieses schrecklichen Krieges, wurde wieder gefeiert. Es war ein schwerer Beginn. Viele der damaligen Mitglieder unseres Schützenvereins waren im Krieg als Soldaten gefallen und kamen nicht in die Heimat zurück. Dazu kam, dass der Gedanke des Schützenwesens gerade nach dem schweren Kriegsgeschehen bei vielen Bürgern umstritten war.
Aber beherzte Bürger, frühere Schützen und heimgekehrte Soldaten sammelten nach dem Krieg wieder die Mitglieder und sprachen junge Menschen für eine Mitgliedschaft bei den Schützen mit Erfolg an. Namen wie der frühere Vorsitzende Johann Jülich, Karl Kohtes, Michael Esser, Peter Buschhüter, Hermann Poell, Franz Werhahn, Anton Holtz und Heinrich Hagemus sollen beispielhaft hier genannt sein.
Johann Jülich rief als alter Vorsitzender eine Versammlung im Lokal Spicker ein. Es wurde beschlossen, die Bruderschaft wieder neu zu beleben und das Titularfest am 25. Januar 1949 erstmalig wieder in alter Weise zu begehen. Nachdem zum Titularfest der Vorstand und Johann Jülich zum Vorsitzenden gewählt wurde, konnte zu Pfingsten 1949 das erste Büdericher Schützenfest nach dem 2. Weltkrieg wieder gefeiert werden.
Alles war noch etwas bescheidener als heute. Aber der erste Büdericher Schützenkönig nach dem II. Weltkrieg, Heinrich Hagemus mit seiner Königin Elisabeth, feierten mit allen Schützen und Büderichern ein glanzvolles Fest, welches noch bei vielen in guter Erinnerung ist.
Musik und Festkultur
Mehrere Musikkapellen waren verpflichtet. Die Werkskapelle Böhler AG sorgte bereits 1949, lange Jahre unter Leitung ihrer Kapellmeister Hans Pütz und Jordans, für gute Musik bei den Schützenumzügen und bei den abendlichen Veranstaltungen im Festzelt. Auch das Tambourkorps Rheintreue Büderich unter Leitung von Heinrich Conradi war wieder dabei.
Im Schützenjahr 1975 nahmen insgesamt 1.000 Teilnehmer teil – mit dem damals größten musikalischen Aufwand: vier Tambourkorps, zwei Fanfarenzüge sowie mehrere Blasmusik- und Showkapellen, darunter drei Hollandkapellen. 380 Musiker nahmen an den Schützenumzügen teil. Als Tanzkapelle glänzte die Günter-Noris-Bigband der Bundeswehr, die durch Auftritte bei Funk und Fernsehen bundesweit bekannt war.
Von Jahr zu Jahr verzeichnete man steigende Musikkosten: 1981 betrugen diese Kosten 36.500 DM (14 Musikgruppen), 1984 bereits 45.000 DM – stets verbunden mit qualitativer Verbesserung des Musikaufgebots.
Protektor und Präsides
Als Präsides der Bruderschaft waren entsprechend der Regelung im Statut die jeweiligen katholischen Pfarrer tätig – Pfarrer Havenith, Richard Jüttner und Walter Eitel. Pastor Karl-Heinz Pütz amtiert heute als Präses. Pastor Jüttner übernahm dazu lange Jahre mit großem persönlichen Einsatz das Amt des Bezirkspräses im Bezirksverband Neuss.
Ein Glücksfall für die Bruderschaft war die Tatsache, dass der Büdericher Bürger, Werksdirektor der Firma Böhler und langjährige Landtagsabgeordnete Dr. Franz Schütz bereit war, das Amt des Protektors der Bruderschaft zu übernehmen. Bis zu seinem Tode im Jahre 1970 war er in diesem Amt als echter Freund und Förderer der Schützen tätig. Unvergessen sind die vielen Pfingstmittwochabende, bei denen er die Krönung der jeweiligen Königin im Festzelt vornahm und zu einem Fest der Frau gestaltete.
Nach dem Tode von Dr. Franz Schütz wurde der Architekt Alois Lukei sein Nachfolger, der dieses Amt ebenfalls mit voller Hingabe zu seiner Herzenssache machte – und Büderich zu seiner echten zweiten Heimat werden ließ.
Wachstum und Gemeinschaft
Die Zahl der Mitglieder stieg beständig: Während 1949 erst 200 Mitglieder wieder gemeldet waren, erhöhte sich die Zahl bis 1950 auf 341 Schützen. 1977 lag die Mitgliederzahl bereits im Bereich von 600 Schützen. Seit einigen Jahren finden auch Personen Aufnahme, die nicht aktiv an den Umzügen teilnehmen – und Damen sind als Mitglieder herzlich willkommen, ja sogar Kompanien mit nur weiblichen Mitgliedern sind zugelassen.
Jahrzehntelange Freundschaft besteht zu den Düsseldorfer Schützenbruderschaften, insbesondere zu den Bruderschaften Lörick, Heerdt und Niederkassel, aber auch zur Sebastianus-Bruderschaft Kaarst und zu den heimatlichen Meerbuscher Schützen in Lank, Osterath, Strümp, Ossum-Bösinghoven und Langst-Kierst.
Unsere Bruderschaft war bereits 1930 der Erzbruderschaft beigetreten. Nach dem Weltkrieg schloss sie sich 1948/49 dem neu gegründeten Zentralverband der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften in Köln an.
Soziales Engagement
„Glaube, Sitte und Heimat" sind und waren nie nur Schlagworte, sondern bis in die heutige Zeit Programm und Satzung. Es wurde nicht nur gefeiert und getrunken. Die vielen religiösen, gesellschaftspolitischen und sozialen Aktivitäten der Bruderschaft sind glaubhafte und nachweisbare Zeugnisse.
Gedacht sei dabei auch an die Organisatoren des jährlichen Tonnenrennens, die in vielen Jahren erhebliche Geldsummen zur Unterstützung der Arbeit für behinderte Kinder gesammelt haben. Ebenso die Helferdienste der Schützen bei kirchlichen Veranstaltungen – Prozessionen, Erstkommunionfeiern, Beiern in der Kirche und Altarbauten.
„So stellt sich eigentlich die Frage, was wäre, wenn es keine Bruderschaft in Büderich gäbe? Die Antwort kann nur sein: Dann müsste eine solche schleunigst gegründet werden!"
– Ehrengeschäftsführer Josef Gorgs
„Da ist Musik drin…"
Lässt man die vorstehenden Aussagen und Gedanken als positive Feststellungen gelten, kann man darauf vertrauen, dass mit Gottes Hilfe und einer weiteren guten Zusammenarbeit aller Schützen, Freunde und Bürger in der Bruderschaft auch für die Zukunft Glaube, Kraft und Stärke für eine weitere gute Entwicklung bestehen.
Man kann sicher zu der Feststellung kommen, dass die Vorstandsmitglieder in den Jahren seit 1948 gute Arbeit geleistet und damit im Dienste der Gemeinschaft der Schützen ihr Ehrenamt vorbildlich ausgeübt haben. Die Bruderschaft ist im Grunde schuldenfrei. Den vielen Freunden und Gönnern, die durch ihren Rat, ihre Arbeit und nicht zuletzt auch durch ihre finanziellen Zuwendungen die Bruderschaft unterstützt haben, gilt an dieser Stelle unser aller Dank.
